Weiter ernste Lage bei Mifa-Bike in Sangerhausen

Es ist so schade, dass Mifa-Bike in Sangerhausen noch keine gesicherte Existenz erlangt hat.

Bekanntlich befindet sich die Firma Mifa-Bike in Sangerhausen im Insolvenzverfahren, leider erneut.

Seit etwa zwei Jahren gibt es Probleme mit einer gesicherten Existenz des Unternehmens, dann schien die Zukunft durch die Unternehmerfamilie Nathusius gesichert, doch leider währte das nicht lange, so befindet sich Mifa-Bike aktuell erneut im Insolvenzverfahren.

Offenbar besteht das Problem in erster Linie darin, die für die Produktion der Fahrräder benötigten Komponenten vorfinanzieren zu können, denn wenn man diese nicht in großer Stückzahl einkauft, kann man die günstigen Räder nicht produzieren. Hierfür bedarf es enormer finanzieller Mittel zur Vorfinanzierung, hat man diese nicht, lässt sich der Betrieb kaum fortführen.

Vor kurzer Zeit musste bereits die Belegschaft von 520 auf 250 Mitarbeiter deutlich reduziert werden, nun gibt es weitere harte Einschnitte. Es ist dabei nicht nur schade um jeden einzelnen Arbeitsplatz, insbesondere auch im strukturschwachen Südharz, sondern eben auch um ein deutsches Tradionsunternehmen.

Mifa steht für die Mitteldeutschen Fahrradwerke und das sind sie auch, mit sehr langer Tradition, 1907 gegründet und über viele Jahrzehnte erfolgreich am Markt. Ich denke bei Mifa auch an deren Biria Transporträder, beispielsweise für die Zusteller bei der Post.

Neben dem starken DDR Markt und sicherlich auch den sozialistischen „Brüderstaaten“, war Mifa auch im „Westen“ stark vertreten, beispielsweise über Versandhändler wie Neckermann und Quelle. Man baute solide und günstige Räder, ich hatte auch mehrere, beispielsweise von Quelle aus der „Mars“ Serie, in meiner frühen Jugend.

Heute baut Mifa auch viele Räder für Discounter, besonders für die 4-Buchstaben-Läden. Einen kleinen Beitrag zum Fortbestand der Firma Mifa leistete ich im vergangenen Herbst auch, meine Frau benötigte ein solides Cityrad und die Wahl fiel hier auf ein solides Rad mit 7-Gang Nabenschaltung bei den Gebrüdern Albrecht, also beim Discounter. Es war ein gutes Angebot, für knapp 300€ unglaublich günstig. Ich mag die 4-Buchstaben-Läden nicht, wirklich nicht, aber das Rad lachte uns aus dem Schaufenster an, als wir gerade gegenüber bei einem Einzelhändler waren. Wir schauten uns das Rad an, es machte einen recht brauchbaren und soliden Eindruck und für die wenigen angestrebten Kilometer würde es ganz sicher genügen, lediglich etwas schwer erschien es.

Mir schien es irgendwie zu günstig, da musste es einen Haken geben, ich fand bisher aber keinen. Gut, das Rad wird wirklich wenig gefahren, meine Frau fährt nicht viel Rad und das kleine Faltrad liegt ihr nicht so ganz, so sollte eben noch ein „großes“ Rad her, große Beträge sollten dafür aber nicht investiert werden, ich dachte an rund 500€, da bekommt man ja schon allerhand Auswahl. Die anderen Räder von Pegasus und anderen, unterschieden sich nicht wirklich vom Mifa Rad bei Aldi, sie waren allenfalls etwas „flotter“ im Design, während unser Mifa Rad eher schlicht und unauffällig wirkt, meiner Frau gefällt es, mir eigentlich auch.

Wie dem auch sei, bisher kann ich daran keinerlei Mängel erkennen, es fährt sich gar nicht schlecht, Schaltung und Bremsen funktionieren recht gut, ja es gibt sogar drei Bremsen, was für eine Verschwendung. Zusätzlich zur Rücktrittbremse der 7-Gang Nabe, gibt es vorne und hinten noch eine Felgenbremse. Da könnte Mifa etwas Geld bei der Produktion sparen, wenn man hinten nur die Rücktritt oder nur die Felgenbremse anbieten würde, aber eben nicht beide gemeinsam.

Von der Fertigung der Rahmen einmal abgesehen, die kommen bei vielen und auch namhaften Herstellern aus Taiwan, findet die Montage der Mifa Räder in Sangerhausen statt, mit deutschem Lohnniveau, einfach unglaublich. Offenbar kalkuliert Mifa aber extrem knapp und hat somit wenig Spieltraum bei Durststrecken in den Auftragsbüchern, fehlt einmal ein großer Auftrag, ist die Insolvenz nahe, wie schade.

Ich befasse mich ja nun schon länger mit Fahrrädern und die meisten meiner Fahrräder kosten deutlich mehr als ein Mifa Rad, zumindest neu, die meisten sind ja gebrauchte Räder. Die meisten Marken, man sagt neudeutsch auch „Brands“, verkaufen ein Lebensgefühl/Lifestyle und lasen sich das sehr gut bezahlen. Hier und da mag die Qualität auch besser sein, aber oft wird eben auch im Ausland günstig produziert, in Deutschland dann aber hochpreisig verkauft.

Mifa nimmt man kaum wahr, beim Cityrad meiner Frau steht es auch nur auf der letzten Seite der Bedienungsanleitung. Ich finde das schade, denn mit Mifa verbindet vielen Kunden vielleicht die 70er und 80er Jahre, aber das muss ja nicht schlecht sein. Es ist ja schon schlimm genug, dass wir in Deutschland nicht mehr viele Komponenten herstellen, mir fällt das eigentlich nur Sram in Schweinfurt an, ehemals Fichtel&Sachs, oder eben Continental, aber sollten wir das nicht unterstützen?

Wir wünschen uns alle Arbeit, möglichst auf sicheren Arbeitsplätzen, dazu müssen wir aber auch mal solche Produkte kaufen. Natürlich ist das nicht immer möglich, neben meinem Berliner Schindelhauer Fahrrad habe ich ja beispielsweise auch ein Bianchi, an diesem Rad kommt nichts aus Deutschland, mein Schindelhauer aber eben fast vollständig, wie auch mein Toy ZR Liegerad in weiten Teilen.

Nun ja, man möchte ja auch Spaß an einem Produkt haben und wenn ich ehrlich bin, an dem Mifa Cityrad meiner Frau hätte ich ihn nicht, an meinem Vanmoof Cityrad aber eben schon. Es ist schon gut, dass es eine so große Produktauswahl gibt, damit lassen sich fast alle Bedürfnisse abdecken, hoffen wir nur, dass hier jeder Anbieter seine Nische findet und mit einem soliden Geschäftsmodell bedienen kann, Mifa Bike in Sangerhausen wünsche ich das von ganzem Herzen. Wenn hier die Produktion wieder gesichert ist, dann können hoffentlich auch wieder Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die hohe Nachfrage an eBikes/Pedelecs könnte Mifa auch gut bedienen, zu günstigen Preisen, doch die Vorfinanzierung der teuren Komponenten ist hier natürlich noch schwieriger. Vielleicht müsste ein großer Auftraggeber, beispielsweise ein Discounter, zur Rettung des Unternehmens Mifa, bei Auftragsvergabe einen angemessenen guten Vorschuss zahlen, damit Mifa die bestellten Räder produzieren kann. Man nennt das wohl Wagniskapital…

 

 

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