Fahrradschläuche klassisch aus Butyl, oder für mehr Leistung aus Latex, oder doch besser schlauchlos?

Angeregt durch einen Beitrag vom 01 September der „Cycling Weekly“ denke ich über Fahrradschläuche nach.

Um ehrlich zu sein, bisher tat ich das nicht, denn was sollte an einem Fahrradschlauch so interessant sein, um sich damit zu befassen? Sind Schläuche in Reifen nicht ein notwendiges Übel, um eben die Luft im Reifen zu halten?

Da greife ich doch gleich einmal letzteres auf, die Luft im Reifen zu behalten, dafür benötigt man inzwischen keinen Schlauch mehr denn es gibt ja auch schlauchlose Reifen und im Rennsport auch Schlauchreifen, die mit der Felge verklebt werden.

Mit Schlauchreifen habe ich mich nie befasst, die Montage ist aufwendig und bedarf Erfahrung, zudem vermisse ich auch diesen Reifen den Pannenschutz.

Schlauchlose Reifen erfordern eine druckdichte Felge, hier sollte die Luft natürlich nicht über die Speichennippel entweichen, doch wo bleibt der Pannenschutz, wenn der Reifen durchstochen wird. Dichtmittel ist die Lösung, eine zähflüssige Lösung, die man in den Reifen füllt und die diesen dann bei kleinen Löchern von innen heraus abdichtet.

Nun ja, damit verliert man den Gewichtsvorteil durch Verzicht auf einen Schlauch, wenn man nun ersatzweise Dichtmittel in den Reifen einfüllt. Andererseits ist der Pannenschutz nicht von der Hand zu weisen und höchst komfortabel, wenn kleine Einstiche in den Reifen gewissermaßen automatisch abgedichtet werden.

Ich setze da jedoch bisher auf Schläuche und werde das wohl auch weiterhin tun, wobei der Pannenschutz aber überwiegend darin besteht, einen Ersatzschlauch, Reifenheber und eine Luftpumpe mitzuführen. Hier genau besteht aber auch ein Problem, wenn eben keine Schnellspanner verbaut sind, man das Laufrad also nicht werkzeugfrei entnehmen kann, um den Schlauch zu wechseln.

Nun ja, ich bleibe dennoch bei Schläuchen, obwohl ich nicht für alle Fahrräder Ersatzschläuche greifbar habe und auch nicht mitführe, hier und da also auf den konstruktiven Pannenschutz des Reifens setze, beispielsweise mit dem Schwalbe Marathon Racer Reifen auf dem Bromton Faltrad und meinem Faltroller.

Beim Rennrad sieht das schon ganz anders aus, hier lege ich mehr Wert auf Sportlichkeit, eine ansprechende Dynamik und damit eben auch möglich leichte rotierende Massen. Ich wähle hier gerne leichte Reifen, was aber auch Abstriche beim Pannenschutz bedeutet.

Hier komme ich auch zum eigentlichen Thema dieses Beitrags, den Schläuchen. Ich verwende bisher ausschließlich die gängigen Schläuche aus Butyl.

Schwalbe 28" 700C Fahrrad Schlauch

Um ehrlich zu sein, ich wusste bisher nicht, dass sie mit Butylkautschuk hergestellt werden, ich hatte mich nie damit befasst.

Die Schläuche haben sich zweifelsfrei bewährt, insbesondere in der „normalen“ Ausführung, also nicht superlight (SL), die es in verschiedenen Grüßen ja auch gibt. Die Montage geht auch gut von der Hand und erfordert keine besondere Übung.

Für etwas weniger Gewicht sind in sportlichen Größen auch superlight Schläuche verfügbar, meine persönlichen Erfahrungen damit sind nicht schlecht, der landläufigen Meinung folgend denke ich aber über die Zuverlässigkeit nach.

Von Latex Schläuchen hörte ich in groben Strukturen, hatte mich aber nie damit befasst und werde es künftig vermutlich auch nicht intensiver tun. Der kommentierte Beitrag in der Cycling Weekly bestätigt mich in meiner Haltung.

Der Gebrauchsvorteil von Latex Schläuchen liegt auf der Hand und der Leistungsgewinn ist messbar, 5,5 Watt pro Laufrad ergeben in Summe 11 Watt. Viel ist das nich, aber eben doch immerhin nachweisbar, demnach ein Leistungsgewinn, den man körperlich nicht mehr erbringen muss.

Wo Licht ist, da gibt es aber auch Schatten, diesen erkenne ich am deutlichsten in der mangelhaften Druckbeständigkeit, denn es wird empfohlen, vor jeder Ausfahrt der Luftdruck zu prüfen und den fehlenden Druck zu ergänzen.

Ich fahre keine Rennen und werde auch keine fahren, mir ist der Gebrauchsvorteil wichtiger, ich möchte mich möglichst wenig um die Reifen kümmern nicht immer um den richtigen Luftdruck bangen. Die Empfindlichkeit der Latex Schläuche gegen Öle kommt hinzu, aber das stört mich weniger, denn ich fette oder öle Reifen oder Schläuche zur Montage nicht, bisher ging es immer ohne.

Latex Schläuche sind sehr dünn und müssen besonders sorgsam montiert werden, da erscheint die Verwendung von Montagefetten oder -ölen sinnvoll, wäre da nicht die fehlendende Materialverträglichkeit.

Letztlich kann ich mich dem durchwachsenen Fazit im Cycling Weekly Beitrag nur anschließen, es kommt wohl darauf an, was man möchte. Strebt man nach optimaler Performance führt kein Weg am Latex Schlauch vorbei, sind Zuverlässigkeit und Alltagsnutzen wichtig, sollte man beim Butyl Schlauch bleiben.

Ich werde beim Butyl Schlauch bleiben, auch wenn ich mich auf dem Rennrad für einen schnellen Vittoria Graphene Reifen entschieden habe, dem ein Latex Schlauch sicher auch gut stehen würde.

 

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