SRAM Automatix, die 2-Gang Automatikschaltung

Für diesen Beitrag greife ich sehr weit zurück, ungefähr 35-38 Jahre. Ich beschäftigte mich damals gerne mit dem Sperrmüll, schleppte Elektrogeräte heim, um sie zu reparieren oder notfalls für das Ersatzteillager auszuschlachten. Fahrrad Schrott fiel mir auch reichlich in die Hände, viele Klappräder, wie man sie damals in den 70er hatte, die meisten ohne Schaltung. Einmal schleppte ich ein 20″ Hinterrad aus einem Faltrad heim, ich hielt es für ein normales Laufrad ohne Schaltung und  mit der üblichen Rücktrittbremse. Damals waren auch Bonanza Fahrräder sehr angesagt, mich interessierten sie nicht, wohl aber deren Bereifung. Ich fuhr damals die gängigen 20×1,75 Straßenreifen, die Bonanza Räder hatten 20×2,25 – 20×2,5 Stollenreifen. Da wir Lausbuben damals mit unseren Rädern gerne  durchs Feld bretterten, wären solchen Stellenreifen ein echter Gewinn. Ich kam zu einem solchen Reifen und zog ihn auf das Laufrad auf, um es dann im Klapprad zu verbauen.

Dann bemerkte ich bei meine Ausfahrten einen sehr seltsamen Effekt, mal musste ich schwerer treten und mal leichter, einen Reim konnte ich ich mir zunächst nicht darauf machen, doch irgendwann erkannte ich den Trick, nach dem Rücktritt schaltete die Nabe um, vom kleinen zum großen Gang und umkehrt, es handelte sich um eine Fichtel & Sachs Torpedo Duomatic Nabe.

Heute kenne ich mich besser aus, um zu wissen, dass es auch damals schon eine 2-Gang Automatik Nabe gab und alternativ dazu eben die Duomatic, die mittels Rücktritt geschaltet wurde. Beides hat seine Vorzüge, nach meiner aktuellen Erfahrung bevorzuge ich inzwischen die Automatik Nabe, denn ich möchte nicht mittels Rücktritt schalten, ich empfinde das als zu umständlich, zudem muss ich den Tritt unterbrechen, was bei der Automatik Nabe nicht erforderlich ist.

Fichtel & Sachs Fahrradkomponenten gibt es nicht mehr, 1997 übernahm SRAM die Sparte und baut weiterhin die Namenschaltungen in Schweinfurt.

Die SRAM Automatix 2-Gang Nabe sehe ich auf der Straße eher selten, es gibt aber dennoch Räder verschiedener Preisklassen die sich derer bedienen, meist mit Fokus auf den urbanen Einsatz.

Ich fahre die Automatix Nabe in einem Schindelhauer ThinBike, aber wes geht hier ja weniger um das Fahrrad an sich, als mehr um die Schaltung. Rund 900 Kilometer habe ich die Nabe inzwischen gefahren, auf Überlandstrecken, moderat hügelig. Ausfahrten von 50km und mehr empfinde ich nicht als Problem, ganz ohne Kondition geht es aber natürlich nicht und mit meinem Fixie würde ich eine identische Strecke so nicht fahren. Ich fahre die Automatix Nabe zwar überwiegend im großen Gang, bin flott unterwegs, aber hier und da ist der etwas kürzere Gang schon nützlich, auch beim Anfahren natürlich.

Die Nabe läuft ruhig und leise tickend, im Freilauf vernehme ich manchmal ein leicht schleifendes Geräusch, bewege ich minimal die Pedale vor oder zurück verschwindet das Geräusch und die Nabe schnurrt wieder ganz ruhig.

Die Übersetzung der Nabe beträgt im 1. Gang 1:1 und im 2. Gang 1:1,33, was wiederum in etwa dem 2. und 3. Gang der klassischen 3-Gang Nabe entspricht, sei es die Torpedo, oder eben auch meine Sturmey-Archer im Brompton.

Nun sagt die Übersetzung der Schaltung alleine noch nicht viel aus, mein Rad ist mit 55 : 24 übersetzt, also Kurbel auf Nabe, bereift ist es mit 40-507 Kajak Reifen, also 24″, ein vielleicht etwas sonderbares Format, aber es ist ja auch ein kompaktes Rad.

Woraus ich aber eigentlich hinaus will, ist die sogenannte Entfaltung, also die zurückgelegte Wegstrecke pro Kurbelumdrehung, damit werden die Einzelwerte schon etwas konkreter, man kann sich etwas darunter vorstellen.

Im 1. Gang sind es 4,23m  und im 2. Gang 5,62m je Kurbelumdrehung. Machen wir es noch etwas konkreter, bei 80 Pedalumdrehungen je Minute, also ein eher gemütlicher Wert, komme ich auf 20,28 und 26,98 km/h. Ich trete durchschnittlich 90 U/min, damit komme ich auf 22,82 und 30,35km/h.

Wenn ich es mal richtig flott angehe, fahre ich das Rad bis etwa 34km/h, darüber wird es mühsam, dann muss ich angenehm schnell treten. Mit meinem Fixie fahre ich ein vergleichbares Tempo, nur habe ich dort keine Schaltung damit nur den großen Gang.

Nach meinen Beobachtungen schaltet die Nabe zwischen 16,5 und 18km/h auf den großen Gang, was auch bei Last erfolgt, ich muss also keine Kraft auf den Pedalen nehmen. Dieser Schaltpunkt bezieht sie auf mein 24″ Laufrad, bei anderen Radgrößen ädert sich die Rotationsgeschwindkeit der Nabe, weshalb SRAM verschiedene Versionen anbieten. Ich könnte mir diese Nabe auch sehr gut in meinem 16″ Brompton Faltrad vorstellen, als Ersatz für die dort verbaut Sturmey-Archer 3-Gang Nabe. Da 16″ Laufräder auf der gleichen Wegstrecke aber viel mehr Umdrehungen machen als die 24″ Räder, würde die Nabe bei deutlich geringerem Tempo umschalten, bzw. bei größeren Laufrädern etwas später.

 

Was die Nabe nicht unter Last kann, ist zurückschalten, dafür muss ich etwas Druck aus dem Pedal nehmen, also weniger kraftvoll treten. Es gibt natürlich keine Anzeige, anhand derer ich erkennen kann, wann ein Gangwechsel möglich ist, ich also langsam genug fahre, über einen Tacho wäre es möglich. Ich habe an diesem Rad keinen Tacho, zeichne Strecken nur mir der Laufuhr oder dem Smartphone auf, brauche die Anzeige während der Fahrt aber nicht.

Wie schalte ich nun also zurück? Ganz einfach, nach Gefühl, den ich sehe Anstiege ja kommen und spüre den zunehmend schwereren Tritt. Wenn ich das Gefühl habe, „langsam genug“ zu sein, nehme ich etwas Kraft aus den Pedalen und die Nabe schaltet zurück. Wenn sie es nicht tut, habe ich entweder zu viel Druck auf den Pedalen, oder bin noch zu schnell, also werde ich noch etwas langsamer und dann klappt der Gangwechsel bestimmt.

Die Nabe ist sehr unkompliziert und man benötigt auch keinen Schalter am Lenker, durch den Rücktritt verzichte ich auch auf den Bremsgriff, ideal für ein puristisches Rad. Links am Lenker habe ich den Bremsgriff für die vordere Scheibenbremse, auf diese möchte ich auch nicht verzichten, denn bei flotter Fahrweise benötigte ich eine leistungsstarke Bremse, der Rücktritt kann das leider nicht bieten. Ich bin da vielleicht etwas zu anspruchsvoll, mir genügen auch die Rollenbremsen an den Mieträder im Niederlande Urlaub nicht, so nehme ich da gerne mein Brompton Faltrad mit.

Nach meiner etwa 900km langen „Erfahrung“ kann ich die SRAM Automatix uneingeschränkt empfehlen, selbst außerhalb der urbanen Nutzung, also wie bei mir, aber in der Stadt dürfte die Schaltung ihre Vorteile noch besser ausspielen.

 

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