Tacx T-1200 Rollentrainer und dessen Handhabung

Kommen wir nun mal zum Rollentrainer, also für’s Fahrrad selbstverständlich, beim Läufer hilft ja allenfalls das Laufband, für meine Tretroller fiel mir aber noch nichts ein 🙂

Ich erwähnte bereits in einem meiner letzten Einträge, etwa 8 Jahre steht so ein Ding recht unbenutzt bei mir im Keller, ich war kurz davor, ihn dem Sperrmüll zu übergeben, oder einen Käufer dafür zu suchen. Neue Rollen sind recht günstig, dazu der sperrige Versand, keine guten Aussichten für einen Besitzerwechsel.

Heute erkenne ich, die Rolle war kein Fehlkauf, lediglich ein stark verfrühter Kauf. Bisher war es mir, hinsichtlich meiner körperlich koordinativen Möglichkeiten, nicht möglich, die Rolle zweckgemäß zu nutzen, also frei darauf zu radeln. Ich bin ein ängstlicher Mensch, riskiere wenig und Balanceakte sind auch nicht meins, ich kann daher auch nicht mit Rollschuhen/Skates/Schlittschuhen laufen, Skier nun in Form des Langlauf und das auch nur in der Ebene oder bergab, jedoch niemals bergab, was mir auch viel zu unsportlich wäre 😉

Nein, mal ernsthaft, die „freie Rolle„, so nennt man dieses Trainingsgerät, ist in der Handhabung nicht einfach, aber dennoch ein höchst sinnvolles Trainingsgerät. Ich gab bisher viel zu früh auf ein, habe es vielleicht auch nie ernsthaft versucht, gleiches gilt für einen Rennrad erfahrenen Kollegen, der es auch versuchte.

Ein abklingender grippaler Infekt zwar mich weiterhin zur Schonung, Vermeidung von Belastung und Ausdauersport, so sah ich bei schlechter Wetter und körperlicher Schonung eine gute Gelegenheit, die Rolle mal wieder aus dem Keller zu holen.

Unbewohnte Altbau Räume boten sich für die Versuche an, hier geht nichts kaputt, hier schade ein Umfaller nicht, wenn man eine Macke in die Tür oder die Türzarge schrammt, ein Loch in den Fussboden.

Doch zunächst kurz zur Rolle selbst, ich habe die „alte“ Tacx T-1200, damals waren die Rollen noch plan, also typische Zylinder, während die heutigen konkav sind, also leicht nach innen gewölbt. Der Sinn dessen ist recht einfach erklärt, so bleibt das Rad leichter in der Mitte der Rolle, läuft nicht so leicht zum Rad, wo die Gefahr besteht, von der Rolle zu laufen.

 

Tacx Rollertrack T-1200 "freie Rolle"

Die Konstruktion ist recht einfach gehalten, zwei lange Vierkant-Profile parallel ausgerichtet, dazwischen hinten zwei Rollen und vorne eine Rolle. Die vordere Rolle wird über einen Riemen von den hinteren angetrieben, damit sich das Vorderrad auch dreht und damit stützende Kreiselkräfte aufbauen kann.

Die Rollen selbst laufen leicht und geräuscharm auf Kugellagern, sie sind auch nicht gebremst. Optional kann man am Rahmen eine Magnet- oder Wirbelstrombremse anbauen, wie man sie von den gängigen Rollentrainern für die eingespannten Hinterräder kennt. Mir ist nicht bekannt, ob für meinen Rahmen auch eine Bremse vorgesehen ist, machen lässt sich das aber bestimmt, sie würde dann ebenfalls mit einem Riemen von der zweiten hinteren Rolle angetrieben.

Man mag den Eindruck gewinnen, dass ungebremste Rollen wenig Sinn ergeben, doch dem ist nicht so, ganz so locker, wie angenommen, läuft es nicht, denn offenbar „keilt“ sich das Hinterrad etwas zwischen den beiden Rollen und so muss man schon etwas in die Pedale treten, ich komme dabei auf Puls.

Tacx Rollertrack T-1200 hintere Rollen für Hinterrad

Hier die beiden hinteren Rollen, auf ihnen steht dann das Hinterrad, der Riemen treibt die Rolle für das Vorderrad an.

Tacx Rollertrack T-1200 vordere Rolle für Vorderrad

Auf der vorderen Rolle steht das Vorderrad, es sollte genug Luftdruck haben, damit dich das Rad nicht zu schwer dreht, da es nur sehr wenig Aufstandsfläche hat, weniger also auf ebener Strecke. Die angetriebene Rolle lässt das Vorderrad mit der gleichen Drehzahl drehen, mit der man das Hinterrad tritt, daraus entstehen die Kreiselkräfte, die das Rad stabilisieren. Die Bohrungen vor der Rolle in den seitlichen Profilen dienen der Anpassung des Radstands, denn das Vorderrad sollte mittig auf der Rolle stehen. Ich habe den Eindruck, dass mein Vorderrad mit der seine Achse leicht dahinter steht, denke aber, dass ist sicherer, als davor. Schwierig lenkbar ist beides, ich werde noch Varianten testen müssen, die vordere Rolle mal etwas zurück setzen.

Tacx Rollertrack T-1200 im Türrahmen platziert

Für die ersten Versuche stellte ich den Roller in einen Türrahmen. Die Tür lässt sich nicht weiter öffnen, da ein Schrank dahinter dies verhindert, mir erscheint das Ideal. Schaden kann ich hier nicht anrichten, die Räume sind alt und unbewohnt, warten auf die Renovierung. Um es vorweg zu nehmen, ich habe keine Schäden angerichtet, somit erscheint mir mein Versuch auch zur Nachahmung in einer  normalen Wohnung geeignet.

Wie das in den 50er Jahren so war, es gab noch keine eingeschäumten Türzargen, so benötigte man zur Stabilisierung der Zarge eine Türschwelle, hier etwa 2cm hoch. Der Rolle steht darüber, die Standfüße sind hoch genug, doch der Riemen schleift etwas, aber das sollte mich zunächst nicht stören.

Die Türweite ist damit optimal, nicht zu weit, so konnte ich mich rechts und links gut abstützen, weil eben die 84cm Tür nicht ganz geöffnet werden kann. Eine moderne 73cm Tür sollte den gleichen Effekt bieten, also probiert es!

Tacx Rollertrack T-1200 im Türrahmen mit Rad darauf

Auf der Rolle steht nun mein Fixie, ein leichtes Rad mit Slick Hochdruck Rennreifen, leicht gebaut, mit starrem Antrieb, also ohne Freilauf und recht großer Übersetzung (Entfaltung 5,82m je Kurbelumdrehung, entspricht 28km/h bei 80er Trittfrequenz).

Das Rad füllt den Türrahmen gut aus, es ist nicht zu breit und nicht zu schmal, so fühle ich mich recht sicher. Schnell wird mir aber klar, mit der Satteleinstellung der Straße komme ich nicht klar, sie ist viel zu hoch. Ich komme mit den Zehenspitzen gerade mal auf den schmalen Rahmen des Rollers, aber nicht auf den Fußboden. Ich senkte den Sattel um wenige Zentimeter ab, damit komme ich zwar immer noch nicht auf den Fußboden, fühle mich aber sicherer. Zu weit möchte ich den Sattel nicht absenken, denn ich möchte ja noch ordentlich treten können, meine Knie nicht ungewöhnlich stark belasten.

Tacx Rollertrack T-1200 Hinterrad auf den Rollen

Das Hinterrad steht sicher auf den Rollen, ich sehe keine Gefahr, dass es abkippt, doch ich komme mit dem Rad deutlich höher, 5-6cm werden es wohl sein, müsste ich mal nachmessen.

Tacx Rollertrack T-1200 Vorderrad auf der Rolle

Hier sieht man jetzt die Position des Vorderrads auf der Rolle gut und jetzt erklärt sich auch der Sinn der Längenverstellung. Ich könnte testweise die Rolle mal um ein Loch verschieben, einen Versuch ist es wert, aber dann wäre die Achse des Vorderrads leicht vor der der Rolle.

Jetzt aber rauf auf Rad und antreten. Ängstlich legte ich los, als Rechtshänder mit dem rechten Ellenbogen am Türrahmen angelegt. Ich trete und versuche verkrampft am Lenker die Spur zu halten, denn das Rad reagiert auf leichte Lenkbewegungen sehr agil und geht auf der Rolle sofort hin und her.

Einige Versuche folgten, immer angelehnt, mal rechts und mal links, irgendwann hatte ich auch den Mut, es mal frei versuchen, mich aufzurichten und so konnte ich dann auch wenige Sekunden frei fahren, bekam aber auch schnell wieder Angst.

Weitere Versuche folgten, aber schon bald gelang es mir, etwa 1min frei auf der Rolle zu fahren, sehr verkrampft und angestrengt. Die Einheiten waren kurz, am nächsten Tag schaffte ich es 2min im Türrahmen und einen weiteren Tag später dann auch mal 5min.

 

Tacx Rollertrack T-1200 mit Rad neben Laufband als Stütze

Jetzt wurde ich mutig, ging mit dem Roller in das Zimmer, aber nicht frei mittig in diesem unmöblierten Zimmer, sondern links leben dem Laufband, denn ich bin ja Rechtshänder, halte mich damit also leichter an.

Ich richtete den Roller etwa 30-40cm seitlich parallel neben dem Laufband aus, um mich nötigenfalls am Griff des Laufbands anhalten zu können. Was heißt nötigenfalls, ohne die Hilfestellung kann ich noch nicht starten.

Es ging erstaunlich gut, die ersten Sekunden noch leicht am Griff des Laufbands angelehnt, dann mit etwas Mut gerade aufgerichtet und los ging es, 10min am Stück durch, was war ich so stolz auf mich. Am nächsten Tag waren es dann 15min und zwei Tage später 20min, die ich am Folgetag auch wiederholte. In 20min fahre ich etwas über 10km auf der Rolle, also mit etwas mehr als 30km/h im Durchschnitt, denn mein Fixie ist ja lange übersetzt und das hohe Tempo stabilisiert die Räder mehr, andererseits folgt das Rad auch schneller der Lenkimpulsen und die habe ich fast ständig.

Am Lenker bin ich noch sehr verkrampft und hochkonzentriert, sehr darauf fixiert, nicht von der Rolle zu fahren, denn 40cm in der Breite sind nicht viel, hier wären die modernen konkaven Rollen sehr von Vorteil.

Es wird, ich gewinne langsam mehr Übung, an freihändiges Fahren ist nicht zu denken, aber das kann ich auch auf der Straße nicht, muss auch nicht sein.

Fazit: tolle Sache, ich rege zur Nachahmung an, denn das Fahrgefühl ist weit realistischer, als es mit eingeklemmtem Hinterrad möglich ist, oder gar auf dem Spinning Rad. Im Hintergrund der letzten Bildes, hinter dem Laufband, sehr ihr übrigens mein Liegeergometer, eigentlich mehr ein Sitzergometer, kommt einem Liegerad recht nahe, hat aber nicht so viel Tretlagerüberhöhung. Ich nutze es kaum mehr, bin entweder draußen, oder werde jetzt mehr die Rolle bemühen.

Die aktuellen Roller findet ihr bei Tacx, wie beispielsweise den T1100 Antares, mit dem auch die Profis trainieren. Hier gibt es optional auch eine Stütze für die Gabel, also den Betrieb ohne Vorderrad, aber welchen Sinn voll das machen? Da kann ich ja gleich das Hinterrad einspannen…

Es gibt auch das Modell Galaxia T1100, es hat ebenfalls konkave Rollen, aber keinen festen Aufsteller, sonden schwingende. Der Sinn dessen erschliesst sich mir nicht, aber so gut kenne ich mich auch nicht damit aus.

Anschaffungswiderstand ab etwa 120,- EUR, ist also einen Versuch wert, manch anderer Trainer kostet ein Vielfaches.

 

6 thoughts on “Tacx T-1200 Rollentrainer und dessen Handhabung

  1. Gratuliere…. sehr ähnlich war es bei mir auch am Anfang. Inzwischen fahre ich viele Jahre nur mehr auf der freien Rolle, eine inzwischen nicht mehr erhältliche Bremse dafür habe ich nachgerüstet, so kann ich alle Intensitäten darauf trainieren, in Kombination mit einem Leistungsmesser fehlt mir nichts. Die längsten Trainingseinheiten waren bei mir 3 Stunden, das könnte ich mir auf einer fixierten Rolle nicht vorstellen weil viel zu fad…..
    Weiterhin viel Spaß damit!
    LG
    wolf

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    1. Wow, 3h ist natürlich hat, ich bin derzeit bei maximal 30min. Nach der Anpassung des Radstandes tue ich mich etwas leichter, fahre nicht mehr ganz so nervös, bin aber immer noch recht verkrampft am Lenker, geht auf die Unterarme.

      Bisher fahre ich auf der Rolle mit dem Fixie, habe inzwischen aber auch mein Rennrad ins Haus geholt, draußen fahre ich es derzeit nicht, zu viel nasses Laub und Erdreste auf den Wegen, dazu zeitweise auch Salz, fahre außen derzeit nur mein MTB.

      Ich bin sehr gespannt wie ich mich mit dem Rennrad auf der Rolle fühle, werde es demnächst ausprobieren, wird aber sicherlich noch nervöser sein, schaun wir mal…

      Eine Bremse habe ich leider nicht, gefühlt geht es bisher aber auch ohne, sehe das ja an meinem Puls. Mir lief aber kürzlich aber auch im Angebot eine feste Rolle über den Weg, habe sie aber noch nicht ausprobiert. Geht vermutlich auch auf den Rahmen, aber mein Rennrad ist sowieso schon etwas älter und damit nicht mehr so kritisch. Ich möchte den Fokus auf der freien Rolle behalten und bleibe dran.

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      1. Nur für den Fall…. ganz vereinzelt findet man noch Bremsen gebraucht ….. du musst nach „TACX SPEEDMATIC T1350“ suchen.
        Das Verkrampfen geht garantiert weg,….. bleib einfach dran.
        Vielleicht ist dein Fixie zu kurz übersetzt? Je schneller sich die Laufräder drehen umso entspannter, weil stabiler, fährt es sich.
        Ich fahre derzeit auch meist mit einem Fixie drauf, bei 44/15 mit RR Reifen und 90-105 Trittfrequenz ist das alles supersmooth!
        LG

        Gefällt 1 Person

  2. zu „kurz ist mein Fixie nicht, 5,84m Entfaltung, fahre es mit knapp über 30km/h auf der Rolle, 60/22, auch auf RR Reifen und mit etwas 90er Frequenz.

    Schon klar, der Kreisel stabilisiert mit Tempo mehr, deshalb scheiterte ich vor Jahren ja mit meinem 20“ Tieflieger-Rennrad, die kleinen leichten Rädchen stabilisieren nicht genug, dazu liegt man im Rahmen und hat die Pedale auf Gesichtshöhe, auf der Rolle geht das nicht, jedenfalls nicht bei mir.

    Danke auch für den Tipp mit der Bremse, werde mal ein Auge darauf haben, vielleicht später mal einsetzen, jetzt zum Eingewöhnen reicht es mir so wie es ist.

    Auch Dir LG

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    1. Netter Versuch, wenn auch vergeblich. Lass es mich mal so sagen, wo immer möglich und sinnvoll, bin ich auch lieber draußen. Im Gegensatz zu den ambitionierten Sportlern, schaffe ich es nicht, mehr als 30-40min auf der Rolle zu strampeln. Trotz Musik, wird es mir dann zu langweilig. Sollte vielleicht dabei in die Röhre kucken, mich ablenken, zudem habe ich bisher noch keine Ventialatoren aufgestellt.

      Ich schwinge mich auch bis etwa 2 Grad auf’s Rad, im Winter an sich nur auf den Crosser, will nicht mehrere Räder mit Salz „behandeln“. Im Regen fahre ich nicht los, bei Eis und Schnee auch nicht, so macht die Rolle bei mir eben schon Sinn, wenigstens temporär. Mir reichen manchmal 30min, einfach mal bewegen, aber raus zieht es mich dann eben nicht, beispielsweise bei Dunkelheit im Winter, oder eben des Wetters wegen.

      Ich habe auch ein Laufband, in diesem Winter habe ich es noch nicht benutzt, lief immer draußen, war aber auch ein recht milder Winter.

      Du übersiehst aber hinsichtlich der freien Rolle einen nicht unwesentlich Punkt, die Balance und den runden Tritt. Letzterer ist recht finktiv und den vollendeten runden Tritt gibt es wohl nicht, richtig ist aber, die Rolle trainiert mich diesbezüglich zumindest unterstützend etwas. Hinsichtlich der Balance trainiert mich die Rolle auch sehr, so betrachtet ist sie also nicht nutzlos.

      Die Rolle bindet sehr wenig Invest und der Platzbedarf hält sich in Grenzen, was mir aber noch besser daran gefällt, ich muss mein Rad nicht umbauen, beispielsweise die Achsklemmung und ich belaste den Rahmen nicht, denn er wird ja nicht eingespannt. Das Fahrverhalten auf der Rolle ist relativ realistisch, kommt der Straße recht nahe, im „eingespannten“ Rollentrainer oder dem Ergometer ist das ganz anders.

      Nun gut, man kann nicht alles haben. Ichx habe die Rolle viele Jahre nicht genutzt, wie im Blog beschrieben, erst in diesem Winter ernsthaft versucht darauf zu fahren und es nach einigen Anläufen auch geschafft.

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